Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte der Ökumenische Weg mit einem großen Ökumenischen Festtag am Buß- und Bettag, den 20. November 2019 rund um die Kreuzkirche Dresden – 30 Jahre nach der großen Ökumenischen Versammlung 1988/89.

Der Festtag sollte Gemeinden und Menschen ermutigen, den Impuls des Ökumenischen Weges über 2019 hinaus weiterzuführen. Dazu gab es Workshops, die die Themenfelder des konziliaren Prozesses aufnahmen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, was es für uns als Christen heute heißt, sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Eine Rückschau auf den Ökumenischen Festtag

Buß- und Bettag 2019, ein grauer, verregneter Mittwoch, doch die Fahrradbügel neben der Kreuzkirche sind gut gebucht an diesem frühen Vormittag und Menschen strömen in das große Gotteshaus. Zunächst deutet nicht viel darauf hin, dass hier heute ein besonderer Gottesdienst stattfinden soll. Der Kreuzchor singt in seiner Heimstätte. Die großen bunten Banner rechts und links des Altarraums hängen dort schon seit der EKD-Synode Anfang November – und doch können sie nicht besser das Thema des Ökumenischen Gottesdienstes an diesem Tag untermalen. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung – das ist die Überschrift, unter der sich Menschen heute wie vor 30 Jahren zusammenfanden und -finden. Der Gottesdienst und die nachfolgenden Veranstaltungen sollen an die Ökumenische Versammlung vor 30 Jahren erinnern: mit Dankbarkeit und Demut zurückblicken, doch vielmehr noch den Blick nach vorn richten, denn die Themen von vor 30 Jahren haben heute nichts an Brisanz verloren. „Liebe Kinder, die Erde, auf der wir leben, ist sehr bedroht. Schuld daran sind wir, die Erwachsenen. Aber einige haben es doch noch nicht gemerkt …“, so beginnt Landesjugendpfarrer Georg Zimmermann die Predigt. Die Zeilen stammen aus einem Brief an die Kinder, den die Delegierten der Ökumenischen Versammlung vor 30 Jahren verabschiedet haben. Briefe sind heute für manchen old school, inhaltlich könnten die Zeilen jetzt eine Facebook-Petition eröffnen. Georg Zimmermann bleibt in seiner Predigt aber nicht bei der Analyse oder der Suche nach Schuldigen, sondern zeigt Wege auf, kleine Schritte. Ausgehend vom Pauluswort „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird“ (1Tim 4,4) empfiehlt er den Besucherinnen und Besuchern im gut gefüllten Kirchenraum zunächst Dankbarkeit: Danke, Gott. Gut gemacht. „Dieser dankbare Blick befreit uns. Er befreit uns vom Druck des Wachstums und der Selbstoptimierung“, sagt er. Und er erinnert an die ermutigende Worte des Schöpfers: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden (2Kor 5,17). „Mit der Ermutigung des Schöpfers gehen wir unseren ökumenischen Weg weiter.“

Im Anschluss an den Gottesdienst folgen viele der Besucherinnen und Besucher der Einladung ins Haus an der Kreuzkirche. Die Themen-Tische im großen Saal sind bald besetzt, Gewusel im Foyer, in Grüppchen steht man beieinander oder trägt sich in einen der zahlreichen Workshops ein, die nach dem Mittagsimbiss die Themen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung konkret werden lassen. Schnell sind die Listen gefüllt oder überfüllt, doch bis zum Beginn der Workshops ist noch Zeit – für ein leckeres und obendrein öko-faires Süppchen, das Wiedersehen alter oder Kennenlernen neuer Freunde, ein anregendes Gespräch, einen Aha-Effekt, ein neues Buch … Danach wird es ruhiger, denn die Festtagsbesucher haben sich im Haus und nebenan, in den Räumen des ÖIZ auf der Kreuzstraße, verteilt. In neun verschiedene Workshops von A wie „anders wachsen“ bis Z wie „Zeigt her eure Widerstände“ werden die manchmal so spröde, groß und unerreichbar klingenden Begriffe Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung griffig und alltagstauglich. Da zeigen Jugendliche von Fridays For Future Dresden, wie es ganz praktisch gehen kann, nachhaltiger durch den Alltag zu kommen. Die Methode des Systemischen Konsensierens wird vom sperrigen Begriff zur gruppentauglichen Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen. Und Friedensarbeit wird praktisch erlebbar durch einen Freiwilligendienst oder eine Schulpatenschaft. Schön, dass hier nun auch die junge Generation hörbar, sichtbar und spürbar vertreten ist, als fachlich gut informierte Gesprächspartnerin, als interessierter Neugieriger, als Helferin, als Mitorganisator.

Das abschließende Referat im wieder gut gefüllten Plenum hält Burkhard Hose, Buchautor und Hochschulpfarrer der Katholischen Hochschulgemeinde Würzburg. Unter dem Slogan „Seid laut!“ und anhand ganz praktischer Erfahrungen und Erlebnisse macht er auf eine sehr lebendige und mitreißende Art und Weise Mut, sich als Christen auch politisch zu engagieren. OLKR Tobias Bilz sowie Hendrik Müller und Luise Hirschnitz vom Landesjugendkonvent danken dem Organisationsteam des Festtages und verabschieden die Teilnehmenden symbolisch mit einem Geduldsspiel und der Aufforderung: Dranbleiben, nicht verzweifeln, zuversichtlich sein. Sie gehen nach Hause durch einen immer noch grauen Novembernachmittag, aber mit dem guten Gefühl: Ich bin nicht alleine, unser Schöpfer und viele seiner Geschöpfe sind an meiner Seite auf dem ökumenischen Weg für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

 

Christiane Thomas

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Landesjugendpfarramt

Zum Nachlesen

Die Predigt von Landesjugendpfarrer Georg Zimmermann zum Ökumenischen Festtag finden Sie hier.

Bilder vom Ökumenischen Festtag