Das neue Jahr hat begonnen, was können wir erwarten? Bleibt alles so, wie es war? Oder können wir mit Hoffnung auf die Zeit vor uns blicken, die weiter auf das Ziel Gottes führen will?

Nehmen Sie den Impuls von Adriana Teuber und Tobias Funke (Dresden), um in gleicher Weise Menschen am Rande unserer Gesellschaft wahrzunehmen und auch eigene eingefahrene Gleise nicht zu übersehen.

Herzliche Grüße!

Christiane Thomas
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Landesjugendpfarramt

Nennen wir ihn Klaus, er ist 53 Jahre alt und regelmäßiger Gast bei uns in den Nachtcafés, der Übernachtungsmöglichkeit für wohnungslose Dresdner von November bis März. Unter uns Ehrenamtlichen ist er schon bekannt. Er erzählt immer wieder seine Geschichte, Alkoholprobleme und auch Drogen sind im Spiel. Er möchte gern davon loskommen, bekommt es aber nicht hin, verfällt in immer wieder gleiche Muster. Wir schlagen ihm vor, doch eine Entgiftung in einer Klinik zu machen. Er lehnt ab: Hat er schon gemacht! Bringt eh nichts. Außerdem hätte er gar keine Krankenversicherung mehr, die würden ihn doch gar nicht nehmen. Ihm würde eh keiner mehr helfen können.

Wir sind ratlos, denn immer wieder erzählt er uns seine Geschichte, er scheint darin und in seinen Tagesabläufen gefangen zu sein. Unserer Sozialarbeiterin fällt ein, dass es in Berlin das Projekt „Synanon – Hilfe für Süchtige, ohne Vorbedingungen“ gibt. Sie ruft an und bekommt bestätigt, auch er würde da aufgenommen. Wir sammeln für eine Fahrkarte, wollen sie ihm überreichen. Er zögert.
Beim nächsten Treffen der Ehrenamtlichen kommt wieder das Gespräch auf Klaus. Er hat wieder seine Geschichte erzählt, von seinem Problem und dass ihm ja eh keiner helfen würde. Ihm wurde das Angebot aus Berlin unterbreitet. Noch immer zögert er. „Was können wir da noch machen?“, beraten wir, die wir doch gerne helfen, in unserer Runde. Wir können es so schwer ertragen, wenn sich jemand nicht helfen lässt. Es fällt uns schwer, die wir ihn so richtig nicht verstehen und seine Geschichten nicht mehr hören können. Ja, es kommt Ärger in uns auf: „Warum erzählt er uns das immer wieder? Warum greift er nicht nach der Hand, die wir ihm hinstrecken?“ Ratlosigkeit kommt auf.

Mich erinnert die Begebenheit an Diskussionen, die ich oft unter Ehren- und Hauptamtlichen in unseren Gemeinden erlebe. Da beschwert sich jemand über Veränderungen. Es sind oft nur Kleinigkeiten, eigentlich Formalien. Es regt uns auf, wenn Dinge anders gemacht werden, als so, „wie es doch schon immer war“. Es geht dann nicht um die Sache, sondern ums Prinzip. Dann wird gedroht, die Arbeit ganz an den Nagel zu hängen. Auch da kommt bei allen Beteiligten Ratlosigkeit auf und das Problem wird am liebsten vertagt.

Am Ende des Treffens der Ehrenamtlichen des Nachtcafés erhebt ein sonst eher stiller Mitarbeiter noch einmal das Wort und kommt auf Klaus zu sprechen. Er zögert, doch dann wagt er den Vergleich: „Mir scheint, dass wir in unseren Gewohnheiten manchmal gefangen sind, in den Abläufen unseres Alltags und unserer Arbeit. Wie schaffen wir es, uns von dem Druck und der Vorstellung ‚Das war doch schon immer so‘ zu befreien? Wie schaffen wir es, eingeschliffene Routinen abzulegen, vor allem, wenn sie sich als ungünstig ja ungesund herausgestellt haben?“ Er schlägt vor, dass wir das alles vor Gott bringen und füreinander und miteinander beten:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe.
Unser tägliches Brot gib uns heute und befreie uns aus unseren Routinen, schenke uns die Kraft aus unserer Gefangenschaft auszubrechen.
Vergib uns unsere Schuld, schenke Klaus einen Weg heraus aus seiner körperlichen und seelischen Abhängigkeit und das „Mir hilft ja eh keiner!“ zu hinterfragen.
Auch wir wollen unseren Schuldigern vergeben.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns alle von dem Bösen, schenke uns die Einsicht, neue Wege auszuprobieren und das „Es war doch schon immer so“ abzulegen,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Adriana Teuber (Kirchenbezirkssozialarbeiterin) und Tobias Funke (Pfarrer) in Dresden

Friedensstiftertraining für Mitarbeitende

6./7. Februar 2019 – ÖIZ Dresden – wenige Restplätze frei!
„Selig sind die Frieden stiften“ – mit dem Programm der badischen Landeskirche „Jugendliche werden Friedensstifter/-innen“ werden Jugendliche als Friedensstifter/-innen ausgebildet. Dabei lernen die Teilnehmenden, gewaltfreie Lösungen in Gewalt- und Konfliktsituationen zu finden.

Weitere Informationen: Friedensstiftertraining