„Seid fröhlich in der Hoffnung, beharrlich im Gebet, standhaft in aller Bedrängnis…“

so hab ich es schon so dutzende Male in Gottesdiensten und auf Jugendfreizeiten gesungen, wie viele von Ihnen sicherlich auch. Die Melodie und der Rhythmus dieses Kehrverses laden mit ihrer Leichtigkeit ein, fröhlich mit einzustimmen. Wenn es aber darum geht, kontinuierlich dran zu bleiben, mich aufzumachen und im Alltag Raum zu finden, um Gott zu loben und zu bitten, dann fehlt es oft an der nötigen Zeit und der inneren Ruhe. Ich stelle fest: So einfach ist das gar nicht. Umso viel mehr beeindruckt es mich, wenn sich in der kleinen Stadt Glashütte im Osterzgebirge seit vielen Jahren einige Christen zum wöchentlichen Friedensgebet treffen. Die 84jährige Elisabeth Sommer berichtet in diesem Newsletter von ihren Erfahrungen.
In der zweiten Strophe des oben genannten Liedes lautet es  „Euer Beten wird ein Ausdruck des Dienens sein, des Dienens in dieser Welt. Weil Gott euer Vater im Himmel ist, bei dem jede Bitte zählt!“ Wie viele Gebete und Bitten mögen in all den Jahren in Glashütte zum Himmel aufgestiegen sein? Ich kann nur dankbar sein für all jene Menschen, die in unserem Land beharrlich die Hände falten. Sie werden gebraucht! Möge Gott ihre Gebete erhören.

Ich grüße Sie herzlich als neue Referentin für den Ökumenischen Weg und freue mich, ein Stück des Weges mit Ihnen gemeinsam gehen zu können.

Kerstin Göpfert
Referentin für den Ökumenischen Weg

Elisabeth Sommer erzählt über das Friedensgebet in Glashütte:

Begonnen haben wir mit dem Friedensgebet nach 1990, ungefähr zur Zeit der Balkankriege, und zwar als eine Art Wochenschlussandacht freitags um 18 Uhr. Initiator war unser damaliger Pfarrer Werner Schüller, er wurde sehr unterstützt von Diakon Baubkus der Katholischen Gemeinde. Die Katholiken waren übrigens in der Überzahl und in der Kirche saßen beide Fraktionen immer getrennt, die Katholiken links, wir rechts.

1998 ging Pfarrer Schüller in den Ruhestand. Da schlug Diakon Baubkus vor, nun wöchentlich ein Friedensgebet, eine gute Viertelstunde immer mittwochs um 12 Uhr mittags, zu halten. So war es dann jahrelang: In den Sommermonaten in der Kirche und von November bis März im Gemeindesaal.
Auch der Ablauf hat sich seitdem so bewährt: Wochenlied, Wochenpsalm, Gebet mit Dank und Lob für das Zusammensein, für Bewahrung, für Gutes in der Gemeinde, für die Umwelt und spezielle Anliegen. Danach beten wir für die Anliegen der Gemeinde, für die Welt und ihre Nöte, für Schöpfung und Natur, und für besondere Nöte bei Krankheit und Alter, wobei auch konkrete Namen genannt werden. Der Abschluss ist das Gebetswort: „Nimm dich unser gnädig an, rette und erhalte uns, denn dir allein gebührt Ruhm, Ehre und Anbetung“ und das Vaterunser.

Die Katholische Kirche war stets vertreten mit mindestens drei Personen, von uns waren es etwa vier. Fast alles Rentner, aber über längere Zeit waren auch Arbeitslose dabei, oder einige Zeit zwei junge Mädchen, Lehrlinge, die zu einer Freikirche gehörten. Die Älteren haben durchgehalten bis zum Tod oder ihrem Wegzug ins Altersheim. Wir haben es nicht erlebt, dass jemand nur einige Zeit gekommen ist und dann weggeblieben ist, weil es ihm nicht gefallen hat. Im Sommer, wenn wir offene Kirche haben, sind öfter Fremde zur Besichtigung da, z.B. Ehepaare, die haben sich zu unserem Halbkreis mit dazugesetzt und es hat ihnen gefallen!

Wir haben beim gemeinsamen Gebet gemerkt: Wirklich jeder fühlt sich danach erleichtert und hat Sorgen abgegeben. Jeder von uns hat in den Jahren gelernt: Sehr vieles wurde plötzlich möglich – besonders beim Kirchenbau, in finanziellen Dingen, mit der Arbeit in den Altersheimen. Aber schlimm ist: Beim Thema Frieden und Abrüstung scheinen die Gebete kaum geholfen zu haben.

Seit dem Herbst sind wir nur noch zu dritt. Ab und zu kommt ein jüngerer katholischer Mann von früher vorbei. Inzwischen haben aber unser Pfarrer Liewald und der katholische Pfarrer Kluge ein Abendgebet am letzten Freitag im Monat um 18 Uhr in der Glashütter Kirche anberaumt. Die katholische Gemeinde ist mit ihren Gottesdiensten bei uns zu Gast. Zu dieser Abendandacht kommen natürlich wieder mehr, von jeder Fraktion sechs bis acht, auch Berufstätige.  Eigentlich ist es erstaunlich, dass es mit allem Auf und Ab unser Gebet über so viele Jahre schon gibt.

Protokoll: Eva Gorbatschow

Neue Referenten, Projekte und Termine gesucht

Als Arbeitsgemeinschaft Ökumenischer Weg wollen wir Mut machen, sich als Christinnen und Christen, als Gemeinden und als Kirchen einzusetzen für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Mit unserer Webseite haben wir die Möglichkeit, Referenten für einzelne Themen zu vermitteln. Wir wollen gelungene Projekte vorstellen und auf Veranstaltungen hinweisen, die in eines der Themenfelder passen.
Um dieses Angebot erweitern zu können und um vielfältige Anregung bieten zu können brauchen wir ihre Mithilfe und Hinweise auf Fachleute, die als Referenten zur Verfügung stehen, und auf ermutigende Projekte und Aktionen. Natürlich helfen wir auch dabei, ihre Veranstaltungen publik zu machen.
Schreiben sie an oekumenischerweg@evlks.de

Leipziger Kanzelreden 2019

Unter dem Leitthema „Natur – Umwelt – Mensch; Geht die Schöpfung so weiter?“ sollen die Leipziger Kanzelreden 2019 fortgesetzt werden. Dazu werden ein ehemaliger Bischof und vier bekannte Wissenschaftler (aus den Fachgebieten Biologie, Bioorganische Chemie und Biochemie, theoretische Astrophysik und Naturphilosophie sowie Soziologie und Politikwissenschaft) aus ihrer je eigenen Perspektive heraus eine Kanzelrede zu einem verabredeten Thema und mit Bezug auf einen Bibeltext halten.

Folgende Kanzelreden sind vorgesehen:
– 24.03.2019: Bischof i.R., Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Huber (Berlin):
„Der Mensch – auch in Zukunft geschaffen und verantwortlich?“
– 26.5.2019: Prof. Dr. Annette Beck-Sickinger (Leipzig):
„Liebe, Hunger und Genuss – ein biochemischer Blick in unseren Körper“
– 23.6.2019: Prof. Dr. Harald Lesch (München):
„Homo digitalis – der nächste Schritt der Evolution?“
– 01.09.2019: Prof. Dr. Dietrich Borchardt (Magdeburg/Dresden):
„Wasser – eine knappe Ressource auf unserem blauen Planeten“
– 27.10.2019: Prof. Dr. Hartmut Rosa (Jena):
„Die Natur als Resonanzraum und als Quelle starker Wertungen“

Die „Kanzelreden“ sind eingebettet in den regulären Sonntagsgottesdienst, der wie üblich 10 Uhr in der Michaeliskirche am Leipziger Nordplatz stattfindet. Eingeladen sind alle Interessierten.