Danket dem Herrn…

Das Erntedankfest ist eine meiner frühsten Erinnerungen, die ich an Kirche in meiner Kindheit habe. Als Kindergartenkinder haben wir unsere Körbe stolz nach vorn neben den Altar gebracht. Ein großer Teil des Altarraumes war damit gefüllt. Offensichtlich hat sich das eingeprägt. Nicht zuletzt, weil wir als Kinder eine wichtige tragende Rolle hatten.

Am letzten Sonntag haben wir in meiner Gemeinde Erntedank gefeiert. Auch hier war der Altarraum festlich geschmückt und der Dank für die immer noch reichliche Ernte trotz rekordverdächtiger Temperaturen in den Sommermonaten nahm Raum ein im Gottesdienst. Erntedank ist ein Moment des Innehaltens, des Zurückblickens und des Bilanzziehens.

Das Säen und Ernten ist für die meisten kaum noch eine existentielle Erfahrung. Wir sind es gewohnt, aus dem Supermarkt zu holen, was wir brauchen oder wonach uns der Sinn steht. Und die dortige Fülle suggeriert ein selbstverständliches Vorhandensein von allem im Überfluss. Und so geht auch zunehmend die Erfahrung verloren, dass zum Ernteerfolg eben auch Gottes Segen dazugehört.

Wofür sage ich Dank am Erntedankfest? Ich sage Dank für all das Versorgtsein und gebe mir Mühe, mit dem, was mir dadurch geschenkt ist, sorgsam umzugehen. Und ich werde mir bewusst, wie wenig selbstverständlich das ist. Großen Teilen der Weltbevölkerung geht es nicht so. Was könnte mein Teil sein, daran etwas zu ändern?

 

Kerstin Göpfert

Referentin für den Ökumenischen Weg

Dieser Vers, der zum biblischen Standard zum Erntedank gehört, ist jedes Jahr aufs Neue eine unglaubliche Herausforderung für mich. Dahinter stehen offensichtlich Erfahrungen. Erfahrungen, die mit unserer heutigen Wirklichkeit  wenig zu tun haben. Wann, frage ich, ist Menschen solches geschehen? Ich kenne die Zahlen der täglichen Hungertoten. Auch in dieser Sekunde stirbt ein Mensch an Hunger. Im Jemen ereignet sich gerade die größte von Menschen gemachte Hungerkatastrophe. Mit Waffen aus Deutschland wird dort ein Krieg geführt, der meinen Verstand überfordert. Die Welt schaut noch nicht einmal hin. Die Menschen im Jemen warten jedenfalls im Moment vergeblich auf ihre Speise.
Wir wissen, dass der Text auf eine Erfahrung des Volkes Israel zurück in die Zeit  des Auszuges aus Ägypten und speziell die Wanderung durch die Wüste geht. Eine große Hungersnot bricht aus. Das Volk ist am Verzweifeln und macht Mose Vorwürfe. Es hadert mit Gott. Das Wunder fängt damit an, dass Gott dafür sorgt, dass es überhaupt etwas zu essen gibt. Allerdings bekommt Mose eine Anweisung von Gott: „Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte.“
Und die Israeliten taten’ s und sammelten, einer viel, der andere wenig.
Als es gemessen wurde, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er oder sie zum Essen brauchte. Das eigentlich Spannende aber ist Gottes Weisung, so viel zu nehmen wie jede und jeder braucht, sonst wird es wurmig und riecht übel. Sie sollen das Nötige nehmen und nicht anfangen, Essen zu horten, aus Angst, dass es morgen nicht reicht.
„Man hu – Was ist denn das?“ Hier wird es doch wunderlich: So viel oder wenig die Menschen auch vom Manna sammeln, das Himmelsbrot ist zum Gebrauch bestimmt. Es reicht für alle, die satt werden müssen. Davon hat man weder zu wenig noch zu viel, sondern immer nur so viel, wie gebraucht wird. Ein Geschenk, das sich nicht horten lässt. Das wäre ein Wunder: Der eine kauft ein in Hülle und Fülle, bei der anderen reicht es gerade für ein trockenes Brötchen. Und doch haben am Ende beide genug. Weder Völlerei noch Unterernährung, sondern gestillter Hunger. Das wäre doch ein Fest. Brot, das für alle reicht. So lernt Israel in der Wüste seinen Gott kennen und erfährt, wie Gottes Liebe das Zusammenleben der Menschen berührt. Alle sollen das bekommen, was sie zum Leben brauchen. Mit dem Brot, das sich wundersam von selbst verteilt hat, will Gott uns nicht nur das Teilen schmackhaft machen.
Diese Weisung ist Programm. Die gängigen Gesetze der Ökonomie werden durchbrochen. Es soll nicht geschehen, was immer geschieht: die einen häufen immer mehr an, die anderen werden immer ärmer. Die Menschen können lernen, sich zu begnügen. Dann reicht es auch für alle. Hungertote müssen nicht sein. Schon vor vielen Jahren wurde dieses Konzept Gottes bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Vancouver 1983 „Ökonomie des Genug“ genannt. Die Ökonomie des sich Genügens ist heilsamer als eine Ökonomie, die auf unbegrenztes Wachstum zielt. Wie wir dieses Konzept umsetzen können, wollen wir auf unserem „Ökumenischen Weg“ diskutieren. Verschiedene Beispiele finden Sie schon auf der Website. Am Festtag wollen wir weiter in die Tiefe gehen, z.B. mit den Arbeitsgruppen zum Konzept „anders wachsen“ oder „Eine Wirtschaft, die dem Leben dient“.

Christine Müller
Arbeitsstelle Eine Welt in der Ev. Luth. Landeskirche Sachsens 
www.arbeitsstelle-eine-welt.de   christine.mueller@evlks.de

Andachten zum globalen Klimastreik am 20 September

Anlässlich des globalen Klimastreiks am 20. 9. lädt der „Ökumenische Weg für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ Kirchen und Gemeinden in Sachsen dazu ein, an diesem Tag um 11:55 Uhr die Glocken zu läuten und Andacht zu feiern. Am 20. September gehen weltweit tausende Menschen auf die Straßen, um gegen Klimazerstörung und für die Einhaltung des Pariser Abkommens zu demonstrieren. Mit dem symbolträchtigen Glockengeläut um 5 vor 12 können Kirchen ein starkes Zeichen setzen und zu Gebet und Engagement einladen.

Der „Ökumenische Weg“ stellt den Gemeinden dazu kostenlos eine komplett ausgearbeitete Andacht zur Verfügung.
Andachtsentwurf als Download:  www.oekumenischerweg.de

„Christians for Future“ solidarisieren sich mit „Fridays for Future“

Der niedersächsische „Arbeitskreis Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ hat eine Aktion „Christians for Future“ gestartet. Im Internet bieten er eine Stellungnahme und Selbstverpflichtung zur Mitzeichnung an. Dabei beruft er sich auf den Aufruf von Luisa Neubauer von der Bewegung „Fridays for future“ auf dem Kirchentag in Dortmund:

„Liebe Menschen, die sich in Gemeinden engagieren, liebe Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter, liebe Menschen, die sich mit Religion, Glaube, Gott, Frieden, Schöpfung, Hoffnung beschäftigen, werdet zu unseren Verbündeten! Schließt Euch uns an, werdet zu denjenigen, die die Welt selbst retten, die die Ärmel hochkrempeln, die sich nicht ablenken lassen!“

Weitere Informationen und die Möglichkeit zu unterzeichnen:  www.christians4future.org

 

Forumstag der Initiative „frei und fromm“

Am 28. September 2019 lädt die Initiative „frei und fromm“ zu ihrem diesjährigen Forumstag ein , der unter dem Thema „Zu welchem Reich gehören wir? Glaube und Gesellschaftliche Verantwortung“ steht. Nach Impulsreferaten von Peter Meis (Dresden) und Annalena Schmidt (Bautzen) gibt es am Nachmittag zahlreiche Workshops.
Mehr Informationen finden sie unter https://www.frei-und-fromm.de/forumstag/

Ehrenamtlichentag der Ev. Jugend Sachsen

Unter dem Motto FRIEDEN SUCHEN FINDEN. steht der diesjährige Ehrenamtlichentag der Evangelischen Jugend in Sachsen am 12. Oktober. Mit diesem Bildungs-, Begegnungs- und Feiertag dankt die Landeskirche den ehrenamtlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen für ihr Engagement in den der Jugendarbeit und in den Kirchgemeinden. Auch der Ökumenische Weg ist mit einem gestalteten Raum in der Phase der fließenden Räume dabei. Noch gibt es freie Plätze!

Mehr Informationen und Anmeldung: www.evjusa.de

Termine im September 2019

  • 7. September 2019 ab 14 Uhr: Gemeindefest anlässlich des Tages der Schöpfung in Dresden Löbtau
  • 7. September 2019 15-18 Uhr: Kleidertauschparty der Jungen Gemeinde in Elstra
  • 14. September 2019 10-16 Uhr: „Suche Frieden“ Begegnungstag für Aussiedler in Chemnitz
  • 20. September 2019: globaler Klimastreik in vielen Städten und Andachten in einigen Gemeinden.
  • 21. September 2019 14 – 18 Uhr: Kleidertauschparty in Pirna
  • 22. September 2019 15-18 Uhr: „Gott sei dank, dass es uns gibt“– Fünftes Interrelligiöses Dankfest in Leipzig
  • 28. September 2019 9.30-17 Uhr: „Zu welchem Reich gehören wir?“– Frei und Fromm – Forumstag in Dresden
  • 28. September 2019 ab 10 Uhr „Michaelismarkt“ in Kohren Sahlis
  • 30.  September 2019 9-16 Uhr: „Gewaltfreie Kommunikation – Wie reden wir miteinander?“ Pastoralkolleg in Meißen
  • 12. Oktober 2019 ab 11 Uhr: „FRIEDEN SUCHEN FINDEN“ Ehrenamtlichentag der Ev Jugend Sachsen in Dresden
  • 12. Oktober 2019 14-21.30 Uhr: „30 Jahre friedliche Revolution – unsere Träume damals und heute“ Christliches Friedensseminar Königswalde

Mehr Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie hier