30 Jahre Ökumenische Versammlung – 30 Jahre friedliche Revolution

Zwei prägende Ereignisse, die jene Menschen verändert haben, die mit ihnen zu tun hatten. Und während die sogenannte Wende die ehemalige DDR förmlich umgekrempelt hat, nahmen außerhalb des christlichen Kontextes nur wenige Menschen von der Ökumenischen Versammlung  Notiz.  Beides sind Momente innerhalb von Prozessen, die bis heute nicht abgeschlossen sind.
Nach 30 Jahren stellen wir fest, dass  das Zusammenwachsen von Ost und West noch ein Stück Arbeit sein wird, weitere Zeit und viel Aufeinander zugehen braucht. Und auch die Problemlagen, die im konziliaren Prozess aufgegriffen wurden und Thema der Ökumenischen Versammlung waren, sind bis heute nicht überwunden. Die Notwendigkeit, sich für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen, ist heute genauso groß, wie vor 30 Jahren. Die Schwerpunkte haben sich höchstens verändert.
Uns als Christinnen und Christen sollte das nicht egal sein. Gerade weil wir wissen, dass uns das Leben und dieser wunderbare Planet als Lebensraum von Gott geschenkt wurden und weil wir uns alle als Kinder Gottes verstehen dürfen, sollte uns daran gelegen sein, diese Welt zu erhalten und Bedingungen zu schaffen, die allen Menschen und zukünftigen Generationen ein möglichst würdevolles und lohnenswertes Leben ermöglichen. Weil wir wissen, dass Gott seine Schöpfung nicht im Stich lässt, und weil wir hoffen dürfen, dass er durch uns große Dinge vollbringen kann, sollten wir uns gemeinsam daran machen, die Welt um uns herum zu verändern und so die Zukunft zu gestalten.

Der Ökumenische Festtag, den wir am 20. November feiern, kann so eine Gelegenheit sein, nicht nur zurück zu blicken auf das, was bereits geworden ist, sondern um uns auszutauschen und zu überlegen, welches die nächsten Schritte sein können. Wir als Christinnen und Christen werden in dieser Welt gebraucht. Bist du dabei?

Kerstin Göpfert
Referentin für den Ökumenischen Weg

Der Ökumenische Weg für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung steht in der Tradition der Ökumenischen Versammlung 1988/89 (ÖV) und nimmt heutige Fragen auf. Im folgenden Interview geben eine Delegierte der ÖV und zwei Jugendliche, die sich heute für die Themen engagieren, Antworten zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten von damals und heute:

Newsletter 201911

Annemarie Müller (AM),
Dresden, Krankenschwester, Soziologin, im Ruhestand, Delegierte der Ökum. Versammlung

Dirk Müller (DM),
Dresden, Grundstücksvermesser, ehrenamtlich in der Evang. Jugend (auch Bezirksjugendkammer)

Megan Schuster (MS),
Dresden, Schülerin, ehrenamtlich in der Evang. Jugend (auch Landesjugendkonvent und Jugendausschuss des Lutherischen Weltbundes)

 

Annemarie, welche besonderen Erinnerungen hast Du an die Ökumenische Versammlung 1988/89?

AM: Für mich als Delegierte war die Ökumenische Versammlung ein Lernfeld auf unterschiedlichsten Gebieten. Ich konnte lernen, wie wirkliche Demokratie funktioniert, lernte die anderen ökumenischen Gemeinschaften und Kirchen kennen und begriff, welcher Schatz in der Ökumene liegt. Auch wenn wir Delegierten uns manchmal in den inhaltlichen Fragen wenig einig waren, kamen wir in der gelebten Spiritualität wieder zusammen. Ich lernte, kritisches Denken über unsere Gesellschaft zuzulassen, Dinge in Frage zu stellen, die bisher unverrückbar schienen, z.B. was ist ein mündiger Bürger oder welches Bildungssystem stellen wir uns vor. Ich erlebte unter Christen eine gelebte Gemeinschaft, die mutig machte und Kraft gab.

 

Welche Veränderungen hat die Ökumenische Versammlung vor 30 Jahren bewirkt?

AM: Von Veränderungen war und ist wenig innerhalb von Kirchen spürbar. Auf alle Fälle hat der über ein Jahr dauernde Prozess der ÖV in der DDR, Raum zum Vordenken über nötige Veränderungen in unserer DDR-Gesellschaft und weltweit gegeben. Delegierte der ÖV wurden u.a. Minister oder Berater in der letzten und frei gewählten DDR-Regierung. Damit konnten sie auch den Geist der ÖV in die politischen Veränderungen 1989/90 teilweise einbringen. Innerhalb der großen Kirchen wurden die Texte der ÖV zwar entgegen genommen, aber nur wenig umgesetzt. Durch die notwendigen Strukturveränderungen in der Zeit danach gerieten die Gedanken der ÖV in den Hintergrund. In kleineren Kirchen, wie etwa bei den Herrnhutern oder Methodisten war eine deutlichere Umsetzung sichtbar.

 

Dirk und Megan, was wisst Ihr von der Ökumenischen Versammlung 1988/89?

DM: Die Versammlung fand innerhalb des konziliaren Prozesses zum Thema „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ kurz vor der Wende statt.

MS: Sie war eine der ersten regionalen Versammlungen in Europa, in der sich christliche Kirchen zusammengeschlossen haben, um einen gemeinsamen Lernweg einzuschlagen, quasi um miteinander zu arbeiten und sich zu unterstützen. Ein wichtiger Punkt war beispielweise die Frage und Lösungsansätze zu mehr Gerechtigkeit in der DDR.

 

Warum engagiert Ihr Euch auf dem Ökumenischen Weg?

DM: Ich möchte, dass unserem Planeten Erde nicht dasselbe Schicksal geschieht wie unserem Schwesterplanet Venus vor zwei Milliarden Jahren. Um das zu verhindern, braucht es vorher Frieden und Gerechtigkeit. Es ist globales Handeln notwendig und auch lokales gegen die soziale Schere in Deutschland. Durch den ökumenischen Weg kann ich dem ein klein wenig entgegensteuern, viel dazu lernen und gleichzeitig etwas Gutes tun.

MS: Da ich selber in „gelebter Ökumene“, mit einem katholischen Vater und einer protestantischen Mutter, groß geworden bin, war mir der Austausch zwischen den Konfessionen schon immer wichtig. Die Möglichkeit etwas gemeinsam zu erreichen, ist der Grund, warum ich mich für den Ökumenischen Weg engagiere.

 

Zu welchen Themen heute wäre eine Ökumenische Versammlung der Kirchen wieder nötig?

AM: Heute sollten sich die Kirchen nicht darauf versteifen, diese ÖV zu wiederholen. Weder Zeit, noch äußere Gegebenheiten bieten sich dazu an, zumal sich viel von dem ökumenischen Geist der 1980er Jahre verloren hat. Das bedeutet aber nicht, dass sich Kirchen den Überlebensfragen der Menschheit entziehen dürfen. Dabei hat sich aus meiner Sicht nichts an der Trias Gerechtigkeit-Frieden-Schöpfungsbewahrung geändert. Wir sollten geringere Erwartungen an uns und die Kirchen haben, aber die christlichen Visionen, die vor 30 Jahren so klar in den theologischen Begriffen „Umkehr und Schalom“ beschrieben wurden, beibehalten.

DM: Zu den Themen „Verteidigung der Demokratie, Verrohung der Kommunikation und Klimakrise“ wäre eine Ökumenische Versammlung nötig. Perspektivisch kann man schon auf eine einheitliche christliche Kirche zur 600-Jahrfeier der Reformation hinarbeiten, auch wenn das zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Mehrheit finden würde.

MS: Ich glaube, dass der Themenbereich „Bewahrung der Schöpfung“ heute aktueller denn je ist. Und ich bin der Meinung, dass zum Thema „Empowerment der Frau“ eine Versammlung angebracht wäre.

Michael Zimmermann

Beauftragter für Friedens- und Versöhnungsarbeit der Ev. -Luth. Landeskirche Sachsens

Prayers for future – Gebet um 5 vor 12 – Glocken für das Klima

Am 29. November wird es angesichts der bevorstehenden UN-Klimakonferenz in Madrid wieder zu weltweiten Klimastreiks geben. Die Jugendlichen von Fridays for Future haben dazu aufgerufen, sich dem Streik anzuschließen. Der Ökumenische Weg ruft die Kirchgemeinden dazu auf, an diesem Tag Andachten zu halten oder Gebetszeiten anzubieten und diese mit Glockengeläut um „5 vor12“ einzuleiten.  Ein  passender Andachtsentwurf steht in Kürze wieder auf der Webseite zum Download bereit.
Aktivitäten von Kirchgemeinden dürfen uns gern mitgeteilt werden, wir würden sie dann wieder auf unserer Webseite bewerben.

 

„Frieden geht anders!“ Ausstellung im Haus der Kirche

Vom 4. bis 26. November wird Ihnen die Ausstellung „Frieden geht anders!“ im Foyer im Haus der Kirche in Dresden gezeigt. Darin wird anhand von neun konkreten Konflikten aufgezeigt, wie mit unterschiedlichen gewaltfreien Methoden Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen verhindert oder beendet werden konnten. Die Beispiele stammen aus unterschiedlichen Weltregionen wie Mozambique, Zypern, Baltikum, Südafrika und Liberia – doch die angewendeten Methoden sind grundsätzlich überall einsetzbar. Es liegt immer an den handelnden Personen, also durchaus auch an uns selbst, ob sie ergriffen werden. Begleitend dazu finden im Café Dreikönig wieder vier Gesprächsabende statt.
Mehr Informationen finden sie beim Haus der Kirche

Termine im November 2019

  • 6. November 2019 ab 19 Uhr: „Mission- einfach predigen?“ Just people-Kurs in der ESG Dresden
  • 6. November 2019 ab 19.30 Uhr: „Eine andere Welt ist möglich?!“ Vortrag im Haus der Kirche in Dresden
  • 7. November 2019 ab 19 Uhr: „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“ Gesprächsabend im Haus der Kirche in Dresden
  • 7. November 2019 ab 19.30 Uhr:  „Meißner Friedensseminare – Schöne Erinnerung oder Verpflichtung für die Zukunft?“ gesellschaftspolitischer Gesprächsabend in der Trinitatiskirchgemeinde Meißen
  • 9. November 2019 ab 10 Uhr: Praxistag 2019 „Umwelt- und Energiemanagement in sächsischen Kirchgemeinden“ in Bautzen
  • 10.-13. November 2019: „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“ Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
  • 10.-20. November 2019: Ökumenische Friedensdekade zum Thema „friedensklima“
  • 11. November 2019 ab 19 Uhr: „Sicherheit neu denken – von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik“ Gesprächsabend im Haus der Kirche in Dresden
  • 12. November 2019 ab 19.30 Uhr: „Sicherheit neu denken – von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik“ Gesprächsabend im Lutherhaus der Friedenskirche Radebeul
  • 12. November 2019 ab 19.30 Uhr: „anders wachsen“ Gesprächsabend in der Begegnungsstätte in Nünchritz
  • 13. November 2019 ab 19 Uhr: “ Ich – gerechter Leben?“ Just people-Kurs in der ESG Dresden
  • 14. November 2019 ab 15 Uhr: Lesungen und Gespräche mit Sumaya Farhat-Naser in der Ev. Akademie in Meißen
  • 14. November 2019 ab 19 Uhr: „Versöhnung in Mosambik und Ruanda – was wir lernen können“ Gesprächsabend im Haus der Kirche in Dresden
  • 17. November 2019 ab 19 Uhr: Sonntagsfilm „Das Schwein von Gaza“ und anschließendes Filmgespräch im Haus der Kirche in Dresden
  • 18. November 2019 ab 19 Uhr: Filmabend „Guardians of the Earth“ mit anschließender Diskussionsrunde – in der Johanneskirchgemeinde Dresden
  • 18. November 2019 ab 19 Uhr: Filmabend „System Error“ mit anschließender Diskussionsrunde – in der Hoffnungskirche Dresden
  • 18. November 2019 ab 19 Uhr: „Gretas Ritter“ musikalische Andacht mit Lesung der Kurzgeschichte in Dresden-Trachau
  • 20. November 2019 ab 9.30 Uhr: „#gemeinsamfuerzukunft“ Ökumenischer Festtag mit Ökumenischem Gottesdienst, Workshops und Referat in der Kreuzkirche/im Haus an der Kreuzkirche in Dresden
  • 25. November 2019 ab 19.00 Uhr: Interreligiöser Dialog zum Thema Religionsfreiheit in der Johannesgemeinde Dresden
  • 27. November 2019 ab 19 Uhr: „Gesellschaft gerechter gestalten?“ Just people-Kurs in der ESG Dresden
  • 28. November 2019 ab 19.30 Uhr: „Das Freiheitsversprechen des Neoliberalismus und seine Folgen“ Vortrag im Haus der Kirche in Dresden
  • 4. Dezember 2019 ab 19 Uhr: „Kirche – gerechter nachfolgen?“ Just people-Kurs in der ESG Dresden

Mehr Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf unserer Webseite: www.oekumenischerweg.de

Ökumenischer Festtag am 20. November 2019

Unter dem Motto #gemeinsamfuerzukunft wollen wir den Ökumenischen Festtag am Buß- und Bettag 2019 rund um die Kreuzkirche Dresden – 30 Jahre nach der großen Ökumenischen Versammlung 1988/89 gestalten. Nach einem Ökumenischen Gottesdienst wollen wir uns in Workshops mit den Herausforderungen der heutigen Zeit beschäftigen und wie wir ihnen als Christinnen und Christen begegnen wollen. Durch ein Referat und gemeinsame Diskussion sollen Gemeinden und Menschen ermutigt werden, den Impuls des Ökumenischen Weges über 2019 hinaus weiterzuführen.

Sollten Sie noch Plakate und Flyer benötigen, um für den Ökumenischen Festtag zu werben, so melden Sie ihren Bedarf bitte an oekumenischerweg@evlks.de.

Weitere Informationen: Ökumenischer Festtag