Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.

Es war ein wenig wie Weihnachten. Lange dauerten die Planungen und Vorbereitungen. Erwartungen machten sich breit. Die Vorfreude war groß. Und dann begann das Fest mit einem festlichen Gottesdienst in einer gut gefüllten Kirche.

Bereits zu Beginn des Ökumenischen Weges vor gut 5 Jahren entstand die Idee, zum Buss- und Bettag 2019 einen Ökumenischen Festtag zu feiern. Einige Pläne und Ideen mussten verworfen werden. Anderes entwickelte sich im Laufe der Zeit auf seine eigene Weise anders. Der Festtag als Wegstation und Moment des Innehaltens blieb erhalten. Und so wurde es dann auch ein fröhlich-festliches Miteinander, eine Möglichkeit, sich auszutauschen und einander zu begegnen. Ob der Weg dadurch eine neue Perspektive erhalten hat? Welches sind die Herausforderungen, die vor uns liegen? Wie wollen wir ihnen begegenen?

In der Predigt im Ökumenischen Gottesdienst wurde Dankbarkeit als ein Schlüssel genannt. „Die Natur, die anderen Menschen und mich selber mit Dankbarkeit zu empfangen, heißt zu staunen und Gott zu sagen: Danke, Gott. Gut gemacht.“ Diese Dankbarkeit kann befreiend sein gegenüber inneren und äußeren Zwängen, die ein „Immer-Mehr“ von uns verlangen. Der andere Schlüssel ist der Mut. Auch wenn wir diesen nicht immer aus uns selbst heraus aufbringen, sollten wir uns nicht entmutigen lassen. Die Beziehung zu unserem Schöpfer und sein Heilshandeln an uns kann uns ermutigen und die Kraft geben, uns einzusetzen. Unser Einsatz wird gebraucht – mal leis und auch mal laut. Wir wollen den Ökumenischen Weg mutig weiter gehen, auch wenn wir noch nicht wissen, wohin er uns führt. Es wäre schön, wenn wir ihn gemeinsam gehen. Gemeinsam geht es sich am besten.

 

Mut
Der nächste Schritt
Mut gibt es gar nicht.
Sobald man überlegt,
wo man ist,
ist man schon an einem bestimmten Punkt.

Man muss nur den nächsten Schritt tun.
Mehr als den nächsten Schritt
kann man überhaupt nicht tun.

Wer behauptet, er wisse den übernächsten Schritt,
lügt.
So einem ist auf jeden Fall mit Vorsicht zu begegnen.

Aber wer den nächsten Schritt nicht tut,
obwohl er sieht,
dass er ihn tun könnte, tun müsste,
der ist feig.

Der nächste Schritt ist nämlich immer fällig.
Der nächste Schritt ist nämlich nie ein großes Problem.
Man weiß ihn genau.

Eine andere Sache ist, dass er gefährlich werden kann.
Nicht sehr gefährlich.
Aber ein bisschen gefährlich kann auch der fällige nächste Schritt werden.

Aber wenn du ihn tust, wirst du dadurch,
dass du erlebst, wie du ihn dir zugetraut hast,
auch Mut gewinnen.

Während du ihn tust,
brichst du nicht zusammen,
sondern fühlst dich gestärkt.
Gerade das Erlebnis,
dass du einen Schritt tust,
den du dir nicht zugetraut hast,
gibt dir ein Gefühl von Stärke.

Es gibt nicht nur die Gefahr,
dass du zuviel riskierst,
es gibt auch die Gefahr,
dass du zu wenig riskierst.

Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.
von Martin Walser

 

Sollten Sie Anregungen haben, wie der Ökumenische Weg sich weiterentwickeln soll, wie wir Ihnen vor Ort helfen können oder welche konkreten Themen wir aufnehmen sollten, so melden Sie sich bei uns.

Kerstin Göpfert
Referentin für den Ökumenischen Weg

Ökumenischer Festtag – eine Rückschau

Buß- und Bettag 2019, ein grauer, verregneter Mittwoch, doch die Fahrradbügel neben der Kreuzkirche sind gut gebucht an diesem frühen Vormittag und Menschen strömen in das große Gotteshaus. Zunächst deutet nicht viel darauf hin, dass hier heute ein besonderer Gottesdienst stattfinden soll. Der Kreuzchor singt in seiner Heimstätte. Die großen bunten Banner rechts und links des Altarraums hängen dort schon seit der EKD-Synode Anfang November – und doch können sie nicht besser das Thema des Ökumenischen Gottesdienstes an diesem Tag untermalen. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung – das ist die Überschrift, unter der sich Menschen heute wie vor 30 Jahren zusammenfanden und -finden. Der Gottesdienst und die nachfolgenden Veranstaltungen sollen an die Ökumenische Versammlung vor 30 Jahren erinnern: mit Dankbarkeit und Demut zurückblicken, doch vielmehr noch den Blick nach vorn richten, denn die Themen von vor 30 Jahren haben heute nichts an Brisanz verloren. „Liebe Kinder, die Erde, auf der wir leben, ist sehr bedroht. Schuld daran sind wir, die Erwachsenen. Aber einige haben es doch noch nicht gemerkt …“, so beginnt Landesjugendpfarrer Georg Zimmermann die Predigt. Die Zeilen stammen aus einem Brief an die Kinder, den die Delegierten der Ökumenischen Versammlung vor 30 Jahren verabschiedet haben. Briefe sind heute für manchen old school, inhaltlich könnten die Zeilen jetzt eine Facebook-Petition eröffnen. Georg Zimmermann bleibt in seiner Predigt aber nicht bei der Analyse oder der Suche nach Schuldigen, sondern zeigt Wege auf, kleine Schritte. Ausgehend vom Pauluswort „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird“ (1Tim 4,4) empfiehlt er den Besucherinnen und Besuchern im gut gefüllten Kirchenraum zunächst Dankbarkeit: Danke, Gott. Gut gemacht. „Dieser dankbare Blick befreit uns. Er befreit uns vom Druck des Wachstums und der Selbstoptimierung“, sagt er. Und er erinnert an die ermutigende Worte des Schöpfers: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden (2Kor 5,17). „Mit der Ermutigung des Schöpfers gehen wir unseren ökumenischen Weg weiter.“

Im Anschluss an den Gottesdienst folgen viele der Besucherinnen und Besucher der Einladung ins Haus an der Kreuzkirche. Die Themen-Tische im großen Saal sind bald besetzt, Gewusel im Foyer, in Grüppchen steht man beieinander oder trägt sich in einen der zahlreichen Workshops ein, die nach dem Mittagsimbiss die Themen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung konkret werden lassen. Schnell sind die Listen gefüllt oder überfüllt, doch bis zum Beginn der Workshops ist noch Zeit – für ein leckeres und obendrein öko-faires Süppchen, das Wiedersehen alter oder Kennenlernen neuer Freunde, ein anregendes Gespräch, einen Aha-Effekt, ein neues Buch … Danach wird es ruhiger, denn die Festtagsbesucher haben sich im Haus und nebenan, in den Räumen des ÖIZ auf der Kreuzstraße, verteilt. In neun verschiedene Workshops von A wie „anders wachsen“ bis Z wie „Zeigt her eure Widerstände“ werden die manchmal so spröde, groß und unerreichbar klingenden Begriffe Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung griffig und alltagstauglich. Da zeigen Jugendliche von Fridays For Future Dresden, wie es ganz praktisch gehen kann, nachhaltiger durch den Alltag zu kommen. Die Methode des Systemischen Konsensierens wird vom sperrigen Begriff zur gruppentauglichen Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen. Und Friedensarbeit wird praktisch erlebbar durch einen Freiwilligendienst oder eine Schulpatenschaft. Schön, dass hier nun auch die junge Generation hörbar, sichtbar und spürbar vertreten ist, als fachlich gut informierte Gesprächspartnerin, als interessierter Neugieriger, als Helferin, als Mitorganisator.

Das abschließende Referat im wieder gut gefüllten Plenum hält Burkhard Hose, Buchautor und Hochschulpfarrer der Katholischen Hochschulgemeinde Würzburg. Unter dem Slogan „Seid laut!“ und anhand ganz praktischer Erfahrungen und Erlebnisse macht er auf eine sehr lebendige und mitreißende Art und Weise Mut, sich als Christen auch politisch zu engagieren. OLKR Tobias Bilz sowie Hendrik Müller und Luise Hirschnitz vom Landesjugendkonvent danken dem Organisationsteam des Festtages und verabschieden die Teilnehmenden symbolisch mit einem Geduldsspiel und der Aufforderung: Dranbleiben, nicht verzweifeln, zuversichtlich sein. Sie gehen nach Hause durch einen immer noch grauen Novembernachmittag, aber mit dem guten Gefühl: Ich bin nicht alleine, unser Schöpfer und viele seiner Geschöpfe sind an meiner Seite auf dem ökumenischen Weg für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

 

Christiane Thomas

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Landesjugendpfarramt

Friedenslicht 2019 – Mut zum Frieden

Seit 1986 wird das Friedenslicht in jedem Jahr in den Wochen vor Weihnachten von einem Kind in der Geburtsgrotte Jesu entzündet. Von Bethlehem aus reist das Licht mit dem Flugzeug in einer explosionssicheren Lampe nach Wien. Dort wird es am dritten Adventswochenende in alle Orte Österreichs und in die meisten europäischen Länder gesandt. Züge mit dem Licht fahren über den ganzen Kontinent. Es wird in Advents- und Weihnachtsgottesdiensten, aber auch an Institutionen, Vereine, Gemeinden, Organisationen und Menschen wie du und ich weitergegeben.
Das Friedenslicht ist kein magisches Zeichen, das den Frieden herbeizaubern kann. Es erinnert uns vielmehr an unsere Pflicht, uns für den Frieden einzusetzen.
Die sächsischen Pfadfinderinnen und Pfadfinder möchten im Zeichen der Hoffnung auf Frieden auch mit Ihnen das Licht aus Betlehem teilen und laden daher herzlich ein zur:
Aussendungsfeier des Friedenslichtes am 3. Advent, 15.12.2019 um 14.30 Uhr Katholische Hofkirche Dresden, Eingang A
Mehr Informationen: www.friedenslicht.de
Es handelt sich um eine Aktion der Ringe deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände (RDP/RdP) und der Altpfadfinder (VDAPG).

„Wandelbar – Die Evangelische Jugend auf dem Weg zur sozial-ökologischen Transformation“

„Für die Evangelische Jugend folgt aus ihrem Glauben und dem biblischen Zeugnis der Auftrag zum Aufbruch zu einer sozial-ökologischen Transformation und zu einer Kultur der Nachhaltigkeit. Das bedeutet, die Menschen achten einander als Nächste und respektieren die Begrenztheit aller Ressourcen. Diese sollen global gerecht verteilt werden.“
Die Mitgliederversammlung der AEJ hat sich mit der Frage der anstehenden sozial-ökologischen Transformation auseinandergesetzt und daraufhin klare Forderungen formuliert.
Der genaue Wortlaut ist hier zu lesen.

Termine im Dezember 2019

15. Dezember 2019 ab 14.30 Uhr: Aussendungsfeier des Friedenslichtes in der Katholische Hofkirche Dresden, Eingang A
16. Dezember 2019 ab 19.00 Uhr: „TOLERANZ, einfach schwer“ – Autorenlesung mit Joachim Gauck im Kreuzgymnasium in Dresden

Weitere Informationen zu Veranstaltungen finden sie hier.