Gehen Sie zurück auf Los!

Beim Monopoly ist es eine der Ereigniskarten, die am meisten im Gedächtnis geblieben ist. Wer zurück auf Los geht, steht wieder am Anfang, auch wenn es in diesem Fall keine 4000 Euro gibt. So manches Mal hat mich die Karte vor der berüchtigten Ecke mit der teuren Schlossallee bewahrt… Bei Computerspielen gibt es auch immer wieder die Möglichkeit, von Neuem zu beginnen. Aus alten Fehlern kann man lernen und dieses Wissen dann in der nächsten Runde mit einbringen. Wer will, der startet einfach immer wieder von vorn. Und ganz Clevere speichern zwischendurch und können auch irgendwo mittendrin wieder ansetzen.

Im echten Leben ist das nicht so einfach. Wir beginnen zwar jeden Morgen frisch und neu und jedes Jahr mit neuen Vorsätzen und doch müssen wir mit den Konsequenzen unseres Handelns leben. Wie wäre es, wenn man einen Streit, einen Unfall oder eine Krankheit ungeschehen machen könnte? Aber diesen Radiergummi fürs Real-life, den gibt es im Kleinen nicht und auch nicht im Großen. Falsche politische Entscheidungen lassen sich nicht ungeschehen machen, genauso wenig wie die Umweltschäden, die unser Lebensstil mit den Jahren verursacht hat.  Unrecht geschieht ständig, selbst da, wo wir es nicht wahrnehmen. Und es lässt sich nicht so einfach aus der Welt schaffen.

Wir haben einen Gott, der all das wahrnimmt. Ihm bleibt nichts verborgen und als Schöpfer leidet er mit seiner Schöpfung. Er hat sich selbst all dem ausgesetzt und ist nicht ausgewichen, als er unschuldig leiden musste. Wir sind dazu aufgerufen, jeden Tag aufs Neue, unser Bestes zu versuchen, die Dinge zu ändern. Verantwortung zu tragen bedeutet, eine passende Antwort auf die Situation zu finden. Und auch wenn wir dabei scheitern, dürfen wir gewiss sein, dass er alles einmal zum Guten wenden wird.
„Siehe ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5)  Was für eine Verheißung! Es muss nicht allein durch unsere Kraft geschehen. Gott, der die Welt geschaffen hat, wird sie auch vollenden. Das, was danach kommt, wird völlig anders sein. Das Alte können wir hinter uns lassen. Wo  er wirkt, ist echter Neuanfang möglich. Freuen wir uns drauf!

Kerstin Göpfert
Referentin für den Ökumenischen Weg

Von Kirchen, Neuanfängen und dem Wagnis anders zu wachsen…

Dieses Weihnachten habe ich mir von meiner Freundin gewünscht, dass sie mir Stricken beibringt.  Als ich sie am 2. Feiertag besuchte, haben wir uns mit Kaffee hingesetzt und sie hat mir neue Stricknadeln in die Hand gedrückt. Es fühlte sich an, als würde ich meine Hände zum allerersten Mal benutzen. Wie bitte soll ich mit zwei geraden Nadeln Schlaufen durcheinander durchfädeln? Die Wolle rutscht doch ab und eigentlich sollten da Haken ran!
Nach einer ganzen Weile klappte es schließlich doch… so mehr oder weniger; wir strickten einige Reihen und irgendwann kam ich sogar in das links-rechts-Muster rein. Jetzt erst sah ich welch kreatives Chaos ich am Anfang produziert hatte! Alles kreuz und quer, von Muster kann keine Rede sein, außer das Ziel wäre ein Strick-Jason-Pollocks gewesen.
Eine Woche später zu Besuch bei meiner Oma war ich schon geübter. Sie gab mir gleich Unmengen alter Wolle und noch mehr Stricknadeln anderer Größen mit und brachte mir das Patentmuster bei. Ich habe keine Ahnung, warum ich das Wissen meiner Oma nicht schon früher angezapft habe, wahrscheinlich mangels Interesse meiner Seite. Aber gerade von der Generation „Wir hatten ja früher nichts“ gibt es noch so viel zu lernen was Nachhaltigkeit und vorausschauendes Wirtschaften angeht! Ja, die Boomer-Generation und unsere Großeltern sind zwar maßgeblich für die heutigen Strukturen des Klimawandels verantwortlich. Aber das schließt nicht aus, dass wir nicht trotzdem voneinander lernen können.

Unsere Initiative „anders wachsen“ will genau dazu anregen. Miteinander und voneinander lernen, was bewahrenswerte Fähigkeiten und Tätigkeiten sind, wie wir miteinander und mit der Erde, der uns von Gott geschenkten Schöpfung, umgehen können, dass nicht nur zukünftige Generationen noch, sondern auch unsere Mitmenschen im globalen Süden jetzt schon ein gutes Leben in Gerechtigkeit führen können.
Seit letztem Jahr probieren wir in zwei Modellgemeinden (Dresden-Löbtau und Dresden-Johannstadt) aus, wie man das in der Gemeindepraxis umsetzen kann. Es gibt Arbeitskreise, in denen Ideen entwickelt und umgesetzt werden. In Löbtau wurde ein Bauerngarten angelegt, in Johannstadt eine Generationenrikscha angeschafft (ein elektrobetriebenes Personenlastrad für nachhaltige und generationenübergreifende Mobilität) und beide Gemeinden beschäftigen sich mit Konzepten der Nachhaltigkeit, z.B. in Form von Energieberatungen oder dem kirchlichen Umweltmanagementsystem „Grüner Hahn“.
Aber eigentlich geht die Frage „anders wachsen“ noch viel weiter: warum muss eigentlich immer die Wirtschaft wachsen und wir uns in unseren Leben diesen Zwängen anpassen? Warum unterliegen Pflege, Kindeserziehung und Bildung Wachstumszwängen? Und warum müssen wir als Menschen in der Gesellschaft erst in Form von Lohnarbeit etwas leisten bevor wir für den Staat etwas wert sind? Warum zählt kulturelles, politisches, soziales Engagement, warum zählt z.B. das Ehrenamt, von dem die Kirchen leben, auf dem Arbeitsmarkt nichts? Gerade dieser Beziehungsreichtum ist es doch, der das Leben wertvoll macht!
In den Büchern der Bibel gibt es nicht nur viele wichtige Impulse zu einer „Gegenwirtschaft“ (Sabbat, Erlassjahr, Jubeljahre, Gott, der Israel aus der Sklaverei befreit hat uvm.), sondern es wird auch scharf kritisiert, wenn der Wohlstand der einen Gruppe auf Kosten von anderen und auf Kosten der Erde gewonnen wird.

Meine Vision für „anders wachsen“-Gemeinden sind Gemeinschaften, die diese Kritik heute wieder laut machen. Die Gegenentwürfe leben, solidarisch miteinander, mit der Schöpfung und mit allen ausgegrenzten Menschen sind; für die Glaube und Gottesdienst nicht nur Privatsache ist, sondern auch eine Weise, sich aus der Leistungsgesellschaft zurückzunehmen, um bewegt von Gottes Geist des Friedens und der Gerechtigkeit eine neue Perspektive auf das Leben einzunehmen.

Zu Silvester hatte ich ein spannendes Gespräch mit einer Gruppe, die gerade vom Kongress des Chaos Computer Clubs gekommen war, dem größten jährlich stattfindenden Ereignis von Hackern und Hackerinnen (im CCC-Slang: Hexen) in Deutschland. Ich meinte erst, dass ich vom Hacken und Programmieren null Ahnung habe, aber einer aus der Gruppe sagte dann, dass Hacken eigentlich viel breiter gedacht wird als nur für Computer. Eigentlich gehe es darum, ein System zu durchschauen und dann diesem entgegenzuwirken. Also wie sog. „Hexen“ im Mittelalter und der frühen Neuzeit, die ihre medizinischen und psychologischen Kenntnisse zur Heilung nutzten, was der damaligen Kirchenökonomie schadete. Oder wie Repair-Cafés heute, die dem Zwang zum Neukauf und Konsum widerstehen und reparieren statt wegzuwerfen. Oder wie die kostenlose Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten wie durch meine Freundin und Oma. Wie das entschleunigte Stricken, wo ich mich aus der globalen Kette ungerechter Herstellungsbedingungen herausnehme und wieder selbst wirksam werde.

Ich halte zwar nicht viel von Neujahrsvorsätzen, aber wenn, dann würde ich mir für uns als Kirchen vornehmen, wieder ganz biblisch das System zu hacken und dort zu wachsen, wo es uns wichtig ist!

Juliane Assmann
Referentin für anders-wachsen-Gemeinden im Kbz. Dresden Mitte

Einladung zu Ökumenischen Friedensandachten zu Beginn des Jahres 2020 

Die Nachrichten aus dem Nahen Osten über die Eskalation der Gewalt sind besorgniserregend und bedrückend. Wieder einmal scheint eine Spirale von Rache und Vergeltung die Oberhand zu gewinnen. Nach Ansicht von Renke Brahms, dem Friedensbeauftragten des Rates der EKD, ist es jetzt wichtig, dass nach politischen Lösungen gesucht wird, bevor die Krise in einen militärischen Konflikt mündet.

Friedensandachten und –gebete bekommen ihre besondere Aktualität und geben die Möglichkeit, die Not der Menschen im Nahen Osten und unsere Ratlosigkeit vor Gott auszubreiten und seine Hilfe zu erbitten.

Sabine Müller-Langsdorf, Referentin für Friedensarbeit im Zentrum Ökumene in Frankfurt am Main, hat dafür einen Entwurf vorbereitet, der je nach Situation in einer Gemeinde oder einer Gruppe angepasst werden kann.

Lasst uns die Not im Nahen Osten und unsere Möglichkeit des Gebets nicht vergessen!

Der Andachtsentwurf kann runtergeladen werden von www.friedensbildung-sachsen.de.

„Wir schicken ein Schiff!“

Im Dezember machte die EKD ernst und stellte mit United4Rescue ein Bündnis vor, dass Spenden sammelt, um ein Schiff zur Seenotrettung ins Mittelmeer entsenden zu können. Seither ist es möglich, dieses Bündnis zu unterstützen und Spendenbeträge für das Vorhaben einzubringen. Das Schiff, dessen Eigner die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch werden soll, wird nicht aus Kirchensteuern, sondern aus Spenden finanziert. Es kann möglicherweise bereits Anfang des Jahres gekauft werden und in wenigen Monaten in den Einsatz starten.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zu spenden finden Sie unter www.united4rescue.com/.

Friedensbibel als Download

Die Bibel ist ein Buch des Frieden Stiftens. Viele Verse belegen das. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat Christinnen und Christen, kirchlich Verantwortliche und Kulturschaffende um ihre Gedanken zu Friedenstexten aus der Bibel gebeten. So entstanden Zuge der Vorbereitung auf die EKD-Synode zum Thema Frieden eine Reihe von Friedenstexten, die als Friedensbibel zusammengefasst wurden.
Ein Download dieser Friedenstexte ermöglicht die EKD auf ihrer Webseite www.ekd.de

„Der marktgerechte Mensch“ – Filmpremiere und Diskussion

In einer Welt, die von Konkurrenz, Ausbeutung und uneingeschränkter Freiheit der Investoren getrieben ist, gibt es ein wesentliches Prinzip: „Race to the buttom“, der Wettbewerb um immer schlechtere Arbeitsbedingungen und niedrigere Löhne bei missachteter Menschenwürde. Was macht es mit den Menschen, wenn ihre Arbeitskraft zu einer billigen austauschbaren Ware wird?
Der Film „Der marktgerechte Mensch“ stellt dar, wie Menschen in prekären Arbeitssektoren arbeiten und was für Alternativen es gibt. Anlässlich der bundesweiten Filmpremiere gibt es eine Vorführung mit anschließender Diskussion mit Christine Müller (Arbeitsstelle Eine Welt) und Mike Nagler (attac) am 16. Januar 2020 in der Schaubühne im Lindenfels.
Mehr Informationen:www.schaubuehne.com/programm/der-marktgerechte-mensch/

Spendenprojekt gesucht

Während in einigen Kirchenbezirken noch das Jugenddankopfer 2019 eingesammelt wird, können noch bis zum 15. Januar Vorschläge für das Jahresspendenprojekt des Jugenddankopfers 2020 (ehem. Sonderzweck) eingereicht werden. Ein festgelegter Anteil des jährlich eingesammelten Geldes geht an ein besonderes Projekt für Jugendliche. In der Regel handelt es sich um Projekte in Ländern, in denen es Jugendlichen nicht so gut geht wie hier in Deutschland. Bei der aktuellen Sammelaktion wird ein Projekt gefördert, dass sich um die Befreiung von Sklaven am Voltasee in Ghana bemüht.
Nähere Informationen gibt es auf der Webseite des Landesjugendpfarramtes

Preisträger für Nachhaltigkeitspreis gesucht

Die Evangelische Bank hat ihren Nachhaltigkeitspreis 2020 unter das Motto „Zukunft geht nur nachhaltig – Agenda 2030, fertig, los“ gestellt. Bewerben können sich Gemeinden, Initiativen, Einrichtungen etc., die einen Beitrag dazu leisten, die SDGs zu erreichen. Die ersten drei Preisträger erhalten eine Fördersumme von insgesamt 20 000 Euro ( 10 000, 7000 und 3000 Euro).

Die Bewerbung ist bis zum 16.04.2020 möglich. Die Bewerbungsunterlagen finden Sie unter: www.eb.de/nachhaltigkeitspreis.

Themenabende „Landeskirche – Wie weiter?“ 

Dresdner Kirchgemeinden laden aus Anlass des Rücktritts von Dr. Carsten Rentzing als Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens zu vier Themenabenden ein. Die Abende sollen dazu dienen, das Geschehene einzuordnen und zu verarbeiten und Konsequenzen für die Zukunft zu diskutieren.
Mehr Informationen zu der Veranstaltungsreihe: www.kirche-dresden.de

Termine im Januar 2020

  • 11. Januar 2020 ab 10 Uhr: Rechtsextremismus und Naturschutz – ein Tagesworkshop im Ökumenischen Informationszentrum Dresden e.V.
  • 13. Januar 2020 ab 19.30 Uhr: Blick über den Tellerrand – Gemeindeabend zum Thema Freiwilligendienst in Dresden Leuben
  • 14. Januar 2020 ab 19.00 Uhr: Macht mit dem Müll, was ihr wollt; Entsorgung in Gegenwart und Zukunft – ein Vortrag in der ESG Dresden
  • 15. Januar 2020 ab 19.30: Friedensstiftertraining für Jugendliche in Dresden Weixdorf (auch in den darauffolgenden 9 Wochen)
  • 16. Januar 2020 ab 19.30 Uhr: „Warum versteht mich niemand? – Wissenschaftliche Politikberatung beim Thema Biodiversität“ – Vortrag und Diskussion in der ESG Leipzig
  • 19. Januar 2020 ab 18 Uhr: „Der marktgerechte Mensch“ – Filmpremiere und Diskussionerunde in Leipzig
  • 21. Januar 2020 ab 19 Uhr: Präventiver Umgang mit Gewalt; Da mach ich mit – Vortrag in der ESG Dresden
  • 23. Januar 2020 ab 19.30 Uhr: „Den Koran besser verstehen – Muslime besser verstehen?!“ – Vortrag und Diskussion in der ESG Leipzig
  • 24. Janunar 2020 ab 19.30 Uhr: Grenzen des Wachstums – Politisches Nachtgebet in der Kirchgemeinde Bad Weißer Hirsch
  • 27. Januar 2020 ab 12 Uhr: Namenlesung vor der Gedenktafel an der Dresdner Kreuzkirche
  • 27. Januar 2020 ab 17.30Uhr: Gedenkveranstaltung zu 75.Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz in Radebeul
  • 27.Januar 2020 ab 18 Uhr: Holocaustgedenktag und Ausstellungseröffnung in der St. Jacobikirche Chemnitz
  • 27. Januar 2020 ab 19 Uhr: „Cantate l’Adonai – Singet dem Herrn“ – Konzert zum Internationalen Holocaust-Gedenktag in der Thomaskirche Leipzig
  • 29. Januar 2020 ab 19.30 Uhr: „Landeskirche, wie weiter?“  Bischofsrücktritt – Fakten und Emotionen – Themenabende in der Hoffnungskirche in Dresden Löbtau
  • 7. Februar 2020 ab 18 Uhr: Gebet zur Bewahrung der Schöpfung in der Ökokirche Deutzen
  • 13. Februar 2020 ab 17 Uhr: Menschenkette in Dresden
  • 13. Februar 2020 ab 20.30 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst in der Hofkirche Dresden
  • 13. Februar 2020 ab 22 Uhr: Nacht der Stille in der Dresdner Frauenkirche

Weitere Informationen zu Veranstaltungen finden sie hier.