Es fängt klein an

Ein Polizeieinsatz in den USA endet für den schwarzen US-Bürger George Floyd tötlich. Die rassistische Polizeigewalt, wie sie in den USA immer wieder vorkommt, wurde durch das Handyvideo eines 17-jährigen Mädchens dokumentiert und öffentlich gemacht. Eine Welle der Entrüstung breitet sich seither aus. Neben friedlichen Protesten kommt es auch zu Ausschreitungen und zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Das unglückliche Taktieren des Prä
sidenten macht die Lage nicht einfacher. Aufgestaute Wut bricht sich Bahn. Zu lange wurde das Rassismusproblem ignoriert.
Auch hierzulande werden schwarze Bilder in Social Media-Beiträgen geteilt, um Solidarität auszudrücken. Es diskutieren weiße „Experten“ über Rassismus und Menschen mit Migrationshintergrund (immerhin 25% der Bevölkerung) fühlen sich nicht sicher. Die Anschläge von Halle und Hanau haben zusätzlich verunsichert.
Nicht nur Amerika hat ein Rassismusproblem. Rassismus ist ein allgemeiner Mechanismus, der allgegenwärtig ist.

„Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen“ (Definition nach Albert Memmi)

Rassismus findet da statt, wo Unterschiede, dazu benutzt werden, den anderen abzuwerten. So kann die eigene Position abgesichert werden auf Kosten der Schwächeren. Das geschieht nicht nur bei großen Reden mit fremdenfeindlicher Gesinnung. Rassismus beginnt im Kleinen, oft unbedacht durch unreflektiertes Reden und Handeln. Diese implizite Form fällt uns selbst meistens gar nicht auf. Da sind wir angewiesen auf das ehrliche Gespräch mit anderen.

Die Zeit hat in diesen Tagen auf einen alten Artikel aufmerksam gemacht: 20 Empfehlungen, um weniger rassistisch zu sein. Eine Lektüre, die wir lesen sollten, um unserer aller willen.

Bleiben Sie behütet,

Kerstin Göpfert
Referentin für den Ökumenischen Weg

wert.voll.leben – Eine Absage und wie weiter?

Der Plan war, gegen Ende des Monats einen großen Schöpfungstag zu organisieren. Der Katholikenrat des Bistums hat zu diesem Aktionstag auf die Zentraldeponie Cröbern bei Leipzig eingeladen. Gerade auf eine der größten Deponien, wo die Überreste unseres Lebensstils landen und bleiben werden.
Kirche und Abfallwirtschaft: geht das? Gab es da nicht viele Schlagzeilen, die gar nicht so rühmlich waren? Aber es ist auch seitdem viel passiert. Die Überreste unseres Lebensstils sind es schließlich, die dort abgelagert werden. Tagtäglich kommt mehr dazu und der Berg wächst – als eine sichtbare Mahnung. Auch wenn in der Behandlung des Mülls viel passiert, gilt es weiter daran zu arbeiten und neue Wege zu gehen, um nachhaltig zu leben. Ein Stichwort dabei ist Vermeidung. Dazu ist ein neuer nachhaltiger und sozial-gerechter Lebensstil gefragt.
Vor nunmehr 5 Jahren hat Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Laudato si“ ein viel beachtetes Wort an alle Menschen guten Willens gerichtet. Die Schöpfung als Geschenk Gottes an alle Menschen zu allen Zeiten steht im Mittelpunkt seines Denkens und Mahnens. Der Mensch hat Verantwortung übertragen bekommen. Und zwar nicht nur für den Menschen als Nächsten, sondern auch für die Umwelt, in der wir leben und wirken. Im Alten Testament wird diese Schöpfung den Menschen überantwortet und der Bogen zwischen bebauen und bewahren gespannt. Die ökologische Krise ist inzwischen auch bei uns angekommen. Gerade erst haben wir von dem zu trockenen ersten Quartal in diesem Jahr gehört und die Prognosen zum Artensterben wahrgenommen. Hier ist nicht der Platz, alles im Einzelnen auszubreiten. (https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/wwf-artensterben-klimawandel-10.html; https://www.mdr.de/sachsen/wasser-mangel-sachsen-nordsachsen-oberlausitz-100.html)
Der Papst öffnet uns erfrischend konkret die Augen und lenkt unser Denken auf einen neuen Lebensstil. Dabei ist er sehr viel mehr an der Bibel orientiert, als viele von uns gerade hier leben. Unser Fußabdruck ist ökologisch betrachtet viel zu groß. Eigentlich wissen wir das, aber wir haben kein Wissensproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Wie kann das funktionieren? Da gilt es Mut zu machen und als Salz der Erde oder als Licht der Welt die christliche Botschaft vorzuleben. Franz von Assisi sagte in seiner Zeit zu den Menschen: „Lasst uns mehr durch unser Leben predigen, als mit Worten.“ In diesem Sinne wollten wir Beispiele für nachhaltiges und sozial-gerechtes Handeln vorstellen und dazu Mut machen, dem zu folgen. Deshalb sollten wir vom Ende unseres Konsums – dem Müllberg – zum Anfang unseres veränderten Lebensstils – dem Konsumverhalten – kommen.

Wenn in der Überschrift „Absage“ steht, so soll damit nicht das Ende des Projektes signalisiert werden. Der Tag selber wird um 2 Jahre in das Jahr 2022 verschoben. Bis dahin werden wir mit kleineren Projekten – digitale Angebote von der Katholischen Akademie, den Schöpfungstagen am ersten Freitag im September, dem Aktionstag zum Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit – die Zeit überbrücken.
Ganz im Sinne des Hl. Franz gibt es die Idee, zur Teilnahme an einer „Allianz für die Schöpfung“ einzuladen. Ob als Einzelperson oder Gruppe oder Pfarrgemeinde soll durch beispielhaftes Handeln für das gemeinsame Haus, wie Papst Franziskus sagt, Verantwortung übernommen werden. Mit der Allianz soll dies sichtbar gemacht und gleichzeitig zu einer sich stärkenden Gemeinschaft eingeladen werden. Das Ausrufen dieser Allianz sollte Schluss- und nachhaltiger Höhepunkt des Umwelttages werden. Der Katholikenrat will nun aber nicht bis 2022 warten, sondern wird in diesem Herbst dazu einladen. Verbunden wird die Allianz mit einem jährlich zu vergebenden Umweltpreis. Dieser wird anlässlich des Bistumsjubiläums 2021 erstmals vergeben. Auch wenn in erster Linie die Katholiken angesprochen werden, sind, wie es in „Laudato si“ heißt, alle Menschen guten Willens, eingeladen mitzutun.

Ulrich Clausen
Referat Weltkirche und Umwelt im Bischöflichen Ordinariat Dresden-Meißen

Die Enzyklika LAUDATO SI´von Past Franziskus über die Sorge für das gemeinsame Haus finden Sie hier: http://w2.vatican.va
Informationen zum Aktionstag Umwelt und wie es damit weitergeht finden Sie hier:
http://dioezesanrat-dresden-meissen.de/wertvollleben-1/wertvollleben.html

Wir müssen global-solidarisch handeln – ein Blick über den Tellerrand

Während in Deutschland das Leben Stück für Stück an Normalität zurückgewinnt und milliardenschwere Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Corona-Virus an den Start gebracht werden, breitet sich das Virus in vielen Ländern der Erde noch noch weiter aus und die Menschen sind bedroht durch steigende Infektionszahlen. Aber selbst in den Ländern, in denen der Virus bislang kaum erfasst wurde, sind die Folgen der Pandemie bereits jetzt verheerend, da das Leben der Menschen sich durch die Infektionsabwehrmaßnahmen gewaltig geändert hat. Verdienstmöglichkeiten und Lebensgrundlagen sind weggebrochen, es droht Hunger, die Krankenversorgung ist schwieriger als zuvor, Impfprogramme kamen zum Erliegen und nicht selten nutzten Regierungen die aktuelle Lage, um die Rechte der Bevölkerung unverhältnismäßig zu beschneiden.

Der Infektiologe und Tropenmediziner Professor Dr. August Stich (Leiter der Tropenmedizinische Fachabteilung am Klinikum Würzburg Mitte) beschreibt in einem Interview die zu erwartenden Folgen so: „Wir hier in Deutschland haben einen Staat im Hintergrund, der um ein Vielfaches stärker ist als der in Entwicklungsländern. Wir haben Rettungsschirme, Kurzarbeitergeld, eine Arbeitslosenversicherung und können damit viele Dinge abfedern. Aber der Schuhputzer in den Slums, der jetzt unter einem oft noch viel rigoroseren Lockdown zu leiden hat, der nicht vor die Tür seiner Wellblechbaracke gehen darf, verliert seine Existenz. Da ist es eine Frage des Überlebens. Wir werden soziale Unruhen, Aufstände und Hungersnöte sehen und einen Zusammenbruch von vielen Strukturen, die wir bisher eigentlich als gegeben angenommen haben. Auf so etwas müssen wir uns vorbereiten. Dann ist es unsere Aufgabe als Kirche, Ihre Aufgabe als Hilfswerk, hier den Partnern einfach zur Seite zu stehen und den Weg mit ihnen zu gehen.“
Zu dem, was wir hier in Deutschland tun können, sagt er: „Wir müssen global-solidarisch handeln. Das heißt, wir hier in Deutschland müssen verstehen, es geht nicht nur um unseren Mundschutz, ob Altersheime wieder besucht werden können, ob man ins Restaurant gehen kann und Biergärten öffnen, sondern dass es eine Bedrohung für die Ärmsten dieser Welt ist und damit eine solidarische Aufgabe für uns alle. Und welche andere Struktur als die Kirche – ich will da jetzt nicht sagen katholisch, sondern generell die Kirchen – wäre denn besser geeignet, wirklich nah am Menschen diese Arbeiten umzusetzen und Organisationen und Strukturen vor Ort zu stärken.“

Das vollständige Interview ist hier zu lesen: https://weltkirche.katholisch.de/Themen/Corona-Virus-kirche-weltweit2/20200602_Kirchen_in_Afrika_Corona_Systemrelevant

Wie ergeht es den Menschen in den unterschiedlichen Regionen der Welt? Berichte über die Lage  und auch über Projekte in verschiedenen Ländern finden sich u.a. bei den Hilfsorganisationen. Es lohnt sich ein Blick über den Tellerrand:
https://weltkirche.katholisch.de/Themen/Corona-Virus-kirche-weltweit#region
https://blog.misereor.de/2020/03/27/coronavirus-weltweit/
https://www.diakonie-katastrophenhilfe.de/projekte/corona-virus

Das Südcafé – normalerweise ein Ort der Begegnung, des Miteinanders und der Vernetzung

Deshalb überlegen wir nun, wie man mit Masken Deutsch üben kann, wie man mit Abstand sich wieder näherkommen kann, wenn eigentlich Mimik und Gestik zum Verständnis gebraucht werden. Wie wir die Kontakte halten können, wenn die gemeinsame Sprache als Mittlerin ausfällt, um sich per Mail oder scoial-Media zu unterhalten?
Wir wollten so vieles neu anfangen in diesem Frühjahr: eine Reihe zu Menschenrechten mit besonderem Schwerpunkt zu Religionsfreiheit. Was überhaupt ist Freiheit, kann es eine Freiheit für den Einzelnen geben, wenn der Mensch neben mir nicht die gleichen Rechte in Anspruch nehmen kann. Wir wollten zusammen kochen, was man in den verschiedenen Herkunftsländern gerne isst. Wir wollten im Ramadan nach Sonnenuntergang gemeinsam Fastenbrechen und essen, wie es mit Freunden im Ramadan normalerweise üblich ist.
Wie ist es, wenn ein großes Fest der eigenen Religion ansteht, das man normalerweise im Kreis der Großfamilie und mit Freunden feiert, das mit feierlichen gemeinsamen Gebeten begangen wird? Das alles ist im Ramadan in diesem Jahr ausgefallen und auch das Zuckerfest am Ende konnte nicht in der Großfamilie gefeiert werden.
Auszubildende, die im Südcafé Unterstützung beim erlernen der deutsche Sprache gesucht hatten, erzählen, dass sie von ihren Lehrern in den Berufsschulen keine Hilfe erhielten, dass es egal war, dass sie nicht verstanden, was die Aufgaben bedeuteten, die per Mail kamen und dass sie ihre Arbeitsblätter nicht ausdrucken konnten.
Wie ist das mit den Menschen, die in Sammelunterkünften am Stadtrand auf engem Raum leben und dort nicht den nötigen Abstand wahren können. Kein eigenes Waschbecken, geschweige denn ein eigenes Badezimmer haben und die Küche gemeinsam nutzen? Wir wissen es nicht, wir waren beim Unterstützerfest dort und dann kam Corona.
Alles, was in der letzten Zeit so anders war, uns in seinem Ausmaß überrascht und so viel von unserem bisherigen Leben in Frage gestellt hat, wofür wir alle nach Erklärungen gesucht haben und vielleicht auch der einen oder anderen Falschmeldung aufgesessen sind, das ist für die Menschen mit Fluchthintergrund noch schwerer zu verstehen. Wie soll man einen kühlen Kopf bewahren, wenn die Nachrichten nur mündlich kommen können und darunter viele Gerüchte sind? Wem kann man alle Fragen stellen, wem kann man vertrauen und überhaupt erreichen? Vielleicht ist da auch manches, was wir lernen können. Es gab schon Kontakte mit Epidemien, die Hygieneregeln sind gar nicht so neu für die Menschen. Dass man Nachrichten sehr genau hören muss und ihren Ursprung kennen, das ist auch nicht ganz neu. Wie man sich schnell auf sich häufig ändernde Situationen einstellt, das kennen viele Menschen ebenfalls schon.
Wir sind schon sehr gespannt auf die Gespräche, die es jetzt bald haben werden und wir freuen und darauf, unsere Freund*innen wieder zu treffen und uns über ganz neue Erfahrungen auszutauschen.

Annegret Jopp
Koordination Südcafé Leipzig

Mehr Informationen über das Südcafe erhalten Sie hier: www.oekumenischerweg.de/project/suedcafe/ und www.suedcafe-leipzig.de

Verlässliche Informationen über den Coronavirus in 20 verschiedenen Sprachen finden Sie hier: www.internationale-gemeinden.de

Die Gewalt bleibt in Zeiten von Corona sehr oft unsichtbar und versteckt hinter geschlossenen Türen

Seit Wochen hocken Familien bundesweit aufgrund der aktuellen Corona Situation zusammen. Das Leben spielt sich im Moment fast ausschließlich zu Hause ab. Die Eltern sind mit dem Homeschooling ihrer Kinder überlastet, Paare in der sozialen Isolation einander ausgeliefert. Zu wenig Platz in der Wohnung, Bewegungsmangel und Unsicherheit sorgen für Anspannung. Auch Zukunftsängste, finanzielle Sorgen oder ungewohnte Tagesabläufe verstärken den Stress. So kommt es häufiger zu Streit, Aggressionen oder Gewaltausbrüchen als schon vor Corona.
Wenn zu Hause ein Klima der Angst, Verunsicherung und Gewalt herrscht, sind alle Familienmitglieder davon betroffen. Kinder leiden immer darunter, auch dann, wenn sich die Gewalt nicht willentlich gegen sie richtet, sondern sich zwischen den Erwachsenen abspielt. Gewalt fängt nicht erst bei Schlägen an. Dazu gehört auch psychische Gewalt in Form von Demütigungen, Drohungen oder Einschüchterungen. Belastende Situationen wie die aktuelle Corona-Krise können dieses Verhalten verschlimmern.
In dieser schwierigen Situation steigt das Risiko für eine Zunahme häuslicher Gewalt. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten, sich Hilfe im Familien- oder Freundeskreis oder bei einer Beratungsstelle zu suchen, durch Kontaktsperren oder Quarantäne eingeschränkt.
Schärfen wir den Blick noch einmal auf Kinder in dieser Zeit:
Jetzt mehr denn je müssen Kinder von ihren Eltern geschützt und behütet werden. Kinder brauchen das Gefühl nach Sicherheit und Geborgenheit. Kindern, die häusliche Gewalt erleben oder miterleben, wird dieses Sicherheitsgefühl zusätzlich genommen. Und weil Kinder von ihren Eltern abhängig sind, erleben sie diese Situation als sehr bedrohlich. Sie fühlen sich hilflos und können sich oft nicht selber schützen. Kinder benötigen Unterstützung, um die Situation zu verändern oder Hilfe zu holen. Kinder tragen nie die Schuld an Gewalt zwischen Eltern; nur wissen sie das häufig nicht. Unsere Aufgabe ist es, den Kindern gerade jetzt zu ermöglichen, Kind zu sein. Familie, Freundinnen und Freunde, aber auch Nachbarinnen und Nachbarn, sind besonders gefragt, aufmerksam zu sein und auf Zeichen häuslicher Gewalt in ihrem Umfeld zu achten und aktiv zu werden.
„Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, befürchtet wegen der Corona-Krise auch eine Zunahme sexueller Gewalt gegen Kinder. „Jeder, der sich im Kinderschutz engagiert und für das Kindeswohl kämpft, der ist im Moment in größter Sorge“, sagte Rörig im rbb. „Die Täter und Täterinnen können jetzt noch unbemerkter vom sozialen Umfeld ihre perfide Gewalt ausüben“, so der Missbrauchsbeauftragte. Daher sei es jetzt besonders tragisch, dass die Jugendämter nur auf Sparflamme oder im Notbetrieb arbeiten könnten. Auf der Website des Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs seien hilfreiche Tipps und Telefonnummern zusammengestellt.“ Quelle: tagesschau.de 28.03.2020
Entgegen der Erwartungen deuten aber erste Zahlen in verschiedenen Bundesländern der Polizei Statistiken sogar auf einen Rückgang der häuslichen Gewalt hin. Die Gewalt bleibt in Zeiten von Corona sehr oft unsichtbar und versteckt hinter geschlossenen Türen. Das hat unterschiedliche Ursachen: Man muss sich bewusstmachen, dass es für Frauen, die zurzeit mit einem gewalttätigen Partner in räumlicher Enge zusammenleben, sehr schwierig ist, mit Instanzen in Kontakt zu treten und sich Hilfe zu holen.
Deshalb gibt es nicht mehr Anzeigen bei der Polizei. Und nur dann spiegele sich häusliche Gewalt in den offiziellen Statistiken des Innenministeriums wider.
Ich gehöre zu einem Netzwerk der Telefonberatung und Seelsorge. Seit Anfang April ist die Zahl der Frauen, Kinder und Jugendlichen, die telefonisch oder auch per Mail Hilfe suchten, dramatisch angestiegen. Viele Betroffene, die sich an mich wenden, sind im Moment sehr eingeschränkt, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Ein System der Kontrolle und Beobachtung erschwert es, sich anderen Menschen anzuvertrauen. Es ist für viele nicht leicht zu telefonieren, da sich ihre Partner meist in der Wohnung aufhalten. Wir haben sehr untypische Wege der Begegnung gefunden, beim Spaziergang mit dem Hund, auf der Parkbank nach einem kurzen Einkauf- mit genügend Abstand natürlich. Das Wie und Wo war in dieser Zeit nicht entscheidend, aber die Möglichkeit etwas Unterstützung, Begleitung und Trost zu erfahren.

Heike Siebert, Ev. Landesjugendpfarramt Sachsen
Landesjugendwartin für die Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen / Beauftragte für Konfirmandinnen und Konfirmanden / Genderbeauftragte / Fachstelle Kinderschutz-Prävention und Qualitätsbeauftragte zum Schutze der Kinder und Jugendlichen gegen sexuelle Gewalt / Systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin (DGSF)

Hilfe erhalten Betroffene an den Notfalltelefonen und bei den Onlineberatungsstellen:
„Nummer gegen Kummer“ – das Kinder- und Jugendtelefon: 0800 11 10 333
Elterntelefon: 0800 111 0550
Hilfetelefon häusliche Gewalt: 0800 116 016
Sucht- und Drogenhotline: 01805 31 30 31
Telefonseelsorge: 0800 11 10 111 oder 11 10 22
Ökumenisches „Corona-Seelsorgetelefon“ in Sachsen: 0351 896 928 90

5000 Brote in der Corona-Zeit

Die Aktion „5000 Brote – Konfis backen für Brot für die Welt“ kann in diesem Jahr nicht in gewohnter Art und Weise stattfinden. Es gibt alternative Vorschläge, wie die Aktion vor Ort durchgeführt werden kann. Sollte keine Alternative in frage kommen, so kann dennoch auch ohne zu Backen für die Projekte in Indien, Äthiopien und Brasilien, die bei der Aktion unterstützt werden sollen, gespendet werden:
Spendenkonto: BROT FÜR DIE WELT
Bank für Kirche und Diakonie
IBAN: DE10 1006 1006 0500 5005 00
Stichwort „Fuenftausend Brote, EVLKS“

Die alternativen Vorschläge sind hier zu finden: https://www.5000-brote.de/corona/

Corona und die Folgen

So, wie bisher kann und soll es nicht weitergehen. Davon konnte man in den letzten Wochen oftmals lesen. Konkrete Forderungen für wünschenswerte Veränderungen stellten verschiedene Menschen und Organisationen auf. Zwei seien hier stellvertretend zu nennen:

Mit der Stellungnahme „Zukunftsfähiger Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft nach dem Lock Down“ setzen sich Dr. Volker Teichert (Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. – FEST Heidelberg), Prof. Dr. Hans Diefenbacher (FEST Heidelberg und Umweltbeauftragter für den Rat der EKD), Dr. Oliver Foltin (FEST Heidelberg) und Dr. Ruth Gütter, Referat Nachhaltigkeit der EKD damit auseinander, wie der Klimaschutz jetzt gestärkt und die umfangreichen staatlichen Hilfen für einen nachhaltigen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft beim Neustart nach dem Lock down genutzt werden können.

Der „AUFRUF: WANN, WENN NICHT JETZT!“, der unter anderem vom Referat für Chancengerechtigkeit der Evangelischen Kirche in Deutschland, der BDKJ-Bundesfrauenkonferenz, der Frauenseelsorge der Dt. Bischofskonferenz, dem IN VIA Katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit – Deutschland e.V., dem Katholischen Deutschen Frauenbund e.V. (KDFB) und der Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – Bundesverband e.V. unterzeichnet wurde, stellen Forderungen an die Bundesregierung und Arbeitgeber, die Situation der Frauen in den Blick zu nehmen und die Missstände und Probleme anzugehen, die sich durch die Corona-Pandemie weiter verstärkt haben.

ÖRK-Vollversammlung verschoben

Aufgrund der unsicheren Lage aufgrund der Corona-Pandemie hat der Exekutivausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK)  im Auftrag des Zentralausschusses und in enger Abstimmung mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), anderen gastgebenden Kirchen und lokalen Partnern beschlossen, die ursprünglich für September 2021 in Karlsruhe geplante 11. Vollversammlung auf 2022 zu verschieben. Nun wird gehofft, dass 2022 das große Treffen mit 800 offizielle Delegierte aus den 350 Mitgliedskirchen des ÖRK sowie viele andere Teilnehmende und Gäste möglich ist. Es soll bei Karlsruhe als Austragungsort bleiben.

Eintreten für eine zukunftsfähige, soziale und klimagerechte Welt

Die Evangelische Landeskirche Sachsens ist dem Trägerkreis des Ökumenischen Prozesses „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“ begetreten. Der ÖP möchte die Herausforderungen der „Großen Transformation“ für den Alltag der deutschen Kirchen „übersetzen“ und eine umfassende Umkehr in allen Bereichen anregen und verankern. Dabei will der bundesweite Prozess auch unbequeme Fragen stellen, den Finger in die Wunden legen und „unbequemer Treiber“ sein.

Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.umkehr-zum-leben.de/

Klima-Kollekte übernimmt Wett-Patenschaft

Der Verein „3 fürs Klima“ startet die bisher größte Klimaschutzwette: Er wettet, dass er ab 1. Juni 2020 bis zur nächsten Weltklimakonferenz 2021 in Glasgow mindestens eine Million Menschen gewinnen wird, die beim Klimaschutz durch persönliches Handeln jeweils eine Tonne CO2 oder sogar mehr einsparen. Dabei setzt der Verein auf den Dreiklang den persönlichen Fußabdruck reduzieren, den Rest kompensieren und den Handabdruck vergrößern. Die Klima-Kollekte beteiligt sich als Pate an der Wette und unterstützt die Kampagne mit einem Startkapital.

Mehr Informationen gibt es hier: www.3fuersklima.de und www.klima-kollekte.de

Mit dem Kirchenrad radeln für den Klimaschutz

Der Sommer steht vor der Tür und Radfahren erlebt einen neuen Boom. Über die Aktion „Kirchenrad“ können kirchliche Einrichtungen, deren haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und auch die Gemeindemitglieder hochwertige Elektrofahrräder und Fahrräder zu einem günstigen Preis erwerben.

Informationen zu dem Angebot finden Sie hier: www.klimaschutz-ekvw.de
und www.wgkd.de

„Sie ist unser bester Mann! – Wirklich? Tipps für eine geschlechtergerechte Sprache“

Eine überarbeitete Broschüre der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. (EWDE) gibt Auskunft darüber, wie sich die Vielfalt der Geschlechter abbilden lässt und Texte dabei trotzdem gut lesbar bleiben. Die Handreichung bietet viele Beispiele an und zeigt so verschiedene Möglichkeiten  für geschlechtergerechtes Formulieren.

Die Broschüre zum Download finden Sie hier: www.ekd.de

Termine im Juni 2020

  • 7. Juni 2020 ab 18 Uhr: Gott bewahre! Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Bewahrung der Schöpfung – Stadtfestgottesdienst in Leipzig – gestreamt: Link unter www.Kirche-Leipzig.de
  • 8. Juni 2020 von 11:00 – 12:00 Uhr: Webinar „Handlungsoptionen im Klimaschutz für kirchliche und kirchennahe Organisationen“ – Infos und Anmeldung unter www.klima-kollekte.de
  • 20. Juni 2020 von 10.00-13.00 Uhr: Fachtag Friedensbildung Mitteldeutschland als Video-Workshop „Friedensbildung XXL: SDGs als globale, bildungspolitische und pädagogische Chance für Bildungsarbeit“ – Infos und Anmeldung unter www.friedenskreis-halle.de
  • 22.Juni 2020 ab 17 Uhr: Friedensgebet in der Nikolaikirche in Leipzig – gestaltet von der „Arbeitsstelle Eine Welt“ zum Thema „Lieferkettengesetz“